Symbolbild Gerichtsvollzieher Versteigerung

Gerichtsvollzieherin / Gerichtsvollzieher

Der Gerichtsvollzieher bzw. die Gerichtsvollzieherin ist ein selbstständiges Organ der Rechtspflege und für Vollstreckungsmaßnahmen zuständig.

Gerichtsvollzieherinnen bzw. Gerichtsvollzieher sind für Zustellungen, Ladungen und Vollstreckungen zuständig und führen beispielsweise Zustellungen in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, in Strafsachen und in außergerichtlichen Angelegenheiten im Auftrag eines Beteiligten durch. Sie sind Beamte des mittleren Justizdienstes und unterliegen der Dienstaufsicht des Präsidenten bzw. der Präsidentin des jeweiligen Amtsgerichts sowie der Fachaufsicht des Vollstreckungsgerichts.

Darüber hinaus nehmen sie die Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen unter Berücksichtigung der Interessen von Gläubiger und Schuldner vor. Hierbei gehört die Vornahme von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Beschlagnahme von Gegenständen, Abnahme der Vermögensauskunft, Vornahme von Zustellungen sowie Einziehung von Parteigeldern zum vorrangigen Geschäft. Darüber hinaus werden Versteigerungen zur Verwertung der gepfändeten Gegenstände sowie Räumungen von Wohnraum eigenständig vom Gerichtsvollzieher wahrgenommen.

Zum Aufgabenbereich der Gerichtsvollzieher gehören auch die Einholung einer Vermögensauskunft bzw. die Anordnung zur Eintragung eines Schuldners bzw. einer Schuldnerin in das Schuldnerverzeichnis des zentralen Vollstreckungsgerichts.

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher sind oft im Außendienst tätig und organisieren ihren Bürobetrieb grundsätzlich selbstständig und eigenverantwortlich.

Bei dem Gerichtsvollzieherdienst handelt es sich um eine Zusatzqualifizierung, die sowohl von externen als auch internen Bewerberinnen und Bewerbern im Rahmen einer Aus- bzw. Weiterbildung erworben werden kann.

Voraussichtlich ab 03.01.2022 werden auch externe Bewerberinnen und Bewerber mit einer für den Gerichtsvollzieherdienst förderlichen abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung die Möglichkeit erhalten, an der Ausbildung für den Gerichtsvollzieherdienst teilzunehmen.

Nähere Informationen hierzu können der Stellenausschreibung im BewerberportalÖffnet sich in einem neuen Fenster des Landes Hessen entnommen werden.

Die Bewerbung zum Vorbereitungsdienst für die Gerichtsvollzieherlaufbahn ist nach Veröffentlichung der Ausschreibung durch den Präsidenten oder die Präsidentin des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main folgenden Justizbeschäftigten möglich:

Nach § 1 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für den Laufbahnzweig des Gerichtsvollzieherdienstes im mittleren Justizdienst (APOGvD) vom 20. April 2015 (JMBl. S. 142) können Bewerberinnen und Bewerber zum Vorbereitungsdienst zugelassen werden, die

  1. die Prüfung für den Laufbahnzweig des allgemeinen Justizdienstes oder die Prüfung nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Anwärter des Justizvollziehungsdienstes vom 16. Februar 1972 (JMBl. S. 86) bestanden und die Probezeit nach § 9 der Hessischen Laufbahnverordnung (HLVO) vom 17. Februar 2014 (GVBl. S. 57) abgeleistet haben,
  2. mindestens 23 und höchstens 50 Jahre alt sind,
  3. den besonderen Anforderungen des Gerichtsvollzieherdienstes körperlich gewachsen sind und
  4. in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

Zugelassen werden kann außerdem, wer

  • die Abschlussprüfung nach der Verordnung über die Berufsausbildung zur Justizfach angestellten bzw. zum Justizfachangestellten vom 26. Januar 1998 ( BGBl. I S. 195) bestanden und sich danach mindestens drei Jahre in diesem oder einem förderlichen Beruf bewährt hat,
  • Deutscher im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes ist oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union oder der Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz besitzt,
  • die Gewähr dafür bietet, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und der Hessischen Landesverfassung einzutreten,
  • mindestens 23 Jahre und höchstens 40 Jahre alt ist,
  • sowie die vorstehend unter 3. und 4. genannten weiteren Voraussetzungen erfüllt.

Wenn Sie Interesse an dem Berufsbild der Gerichtsvollzieherin bzw. des Gerichtsvollziehers gefunden haben, können Sie sich beim Vorliegen der vorgenannten Voraussetzungen sowie nach entsprechender Ausschreibung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main für den Vorbereitungsdienst entsprechend bewerben.

Externe Bewerberinnen und Bewerber erhalten in der Ausbildung ein attraktives Entgelt in Höhe von 2.754,19 Euro (brutto) monatlich (analog zur Entgeltgruppe5 Stufe 2 Tarifvertrag Hessen) zuzüglich eventueller Zulagen.

Beamtinnen und Beamte des allgemeinen Justizdienstes und des Justizvollziehungsdienstes verbleiben während des Vorbereitungsdienstes in ihrer bisherigen Rechtsstellung und erhalten daher ihre bisherigen Dienstbezüge weiter.

Zum Vorbereitungsdienst zugelassene Justizfachangestellte werden für die Dauer der Ausbildung in das Beamtenverhältnis auf Widerruf berufen und zu Gerichtsvollzieheranwärterinnen bzw. Gerichtsvollzieheranwärtern ernannt. Sie erhalten Anwärterbezüge des mittleren Dienstes. Die Zulassung zum Vorbereitungsdienst beinhaltet für sie zugleich die Zusicherung der Rückkehr in ihre bisherige Rechtsstellung, sofern die Ausbildung nicht erfolgreich beendet wird. Mit dem Bestehen der Gerichtsvollzieherprüfung erwerben sie zugleich die Befähigung für den allgemeinen Justizdienst.

  • Unterricht in kleinen Gruppen mit persönlichem Bezug zu den Lehrkräften
  • In Monschau: möbliertes Einzelzimmer mit eigenem Badezimmer und frisch zubereiteten Mahlzeiten in der Mensa (gegen geringe Kostenbeteiligung)
  • 30 Tage Urlaub im Jahr
  • Voraussichtlich auch in 2022 kostenloses LandesTicket zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in ganz Hessen
  • Übernahme nach bestandener Prüfung ins Beamtenverhältnis auf Probe (Justizdienst Hessen)

Der Vorbereitungsdienst dauert 20 Monate und gliedert sich wie folgt:

  • Ausbildungsabschnitt I
    2 Monate fachtheoretischer Lehrgang I im Ausbildungszentrum der Justiz Nordrhein Westfalen - Nebenstelle Monschau –
  • Ausbildungsabschnitt II
    6 Monate Berufspraktikum I bei einer/einem Gerichtsvollzieher/in sowie ggf. einführende Ausbildung bei einem Amtsgericht
  • Ausbildungsabschnitt III
    4 Monate fachtheoretischer Lehrgang II im Ausbildungszentrum der Justiz Nordrhein Westfalen - Nebenstelle Monschau –
  • Ausbildungsabschnitt IV
    5 Monate Berufspraktikum II bei einer/einem Gerichtsvollzieher/in
  • Ausbildungsabschnitt V
    3 Monate fachtheoretischer Lehrgang III im Ausbildungszentrum der Justiz Nordrhein Westfalen - Nebenstelle Monschau

Externe Bewerberinnen und Bewerber absolvieren vorab einen sechsmonatigen Eignungslehrgang, der zu Beginn des Jahres startet und sich wie folgt gliedert:

  • 1 Monat fachpraktische Ausbildung bei einem hessischen Amtsgericht
  • 3 Monate fachtheoretische Ausbildung im Ausbildungszentrum der Justiz Nordrhein-Westfalen - Nebenstelle Monschau -
  • 1 Monat fachpraktische Ausbildung bei einem hessischen Amtsgericht
  • 1 Monat fachpraktische Ausbildung bei einer Gerichtsvollzieherin oder einem Gerichtsvollzieher in Hessen

Die Ernennung zur Gerichtsvollzieherin oder zum Gerichtsvollzieher kann nach Ableistung des Probedienstes und nach Maßgabe freier Planstellen erfolgen. Ein Anspruch auf Verwendung im Gerichtsvollzieherdienst und bei einem bestimmten Amtsgericht nach bestandener Prüfung besteht jedoch nicht.

Bei zum Vorbereitungsdienst zugelassenen Justizfachangestellten erfolgt nach Bestehen der Laufbahnprüfung eine Ernennung zum Justizsekretär bzw. zur Justizsekretärin (BesGr. A6 BBesG) mit einem Auftrag, die Tätigkeiten eines Gerichtsvollziehers wahrzunehmen.

Bei einer späteren Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ist eine Besoldung bis zum Endamt der BesGr. A9 mit Zulage BBesG (Obergerichtsvollzieher) möglich.

Darüber hinaus erhalten die im Außendienst tätigen Gerichtsvollzieher und Gerichtsvollzieherinnen eine Vergütung nach der Gerichtsvollziehervergütungsverordnung (GVVergV), aus der die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb des von ihnen zu führenden Büros zu bestreiten sind (§ 52 HBesG). Im Übrigen verbleibt die Vergütung den Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollziehern als Leistungsanreiz für ihre Gerichtsvollziehertätigkeit.

Es wird auf Folgendes hingewiesen:

  • Für die sich an den erfolgreich absolvierten Vorbereitungsdienst mögliche anschließende Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe und die spätere Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ist der Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit zwingende Voraussetzung, da Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, die nach den gesetzlichen Vorgaben nur von Deutschen wahrgenommen werden dürfen. Spätestens am Ende des 20-monatigenVorbereitungsdienstes müsste daher die deutsche Staatsangehörigkeit erworben werden.
  • Die Ernennung zur Gerichtsvollzieherin und zum Gerichtsvollzieher kann nur nach Ableistung des Probedienstes und nach Maßgabe freier Planstellen erfolgen.

Für die spätere Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe nach bestandener Abschlussprüfung beträgt das Höchstalter 50 Jahre.

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