Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger vor der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege in Rotenburg an der Fulda

Dipl. Rechtspflegerin (FH) / Dipl. Rechtspfleger (FH)

Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfreudigkeit und ein hohes Maß an sozialem Verständnis - das sind die wesentlichen Voraussetzungen für den Beruf „Rechtspflegerin und Rechtspfleger".

Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger sind als Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes bei allen Gerichten und Staatsanwaltschaften eingesetzt.

Sie treffen als selbstständiges Organ der Rechtspflege in eigener Verantwortung gerichtliche Entscheidungen, sind in der Sache unabhängig und nicht an Weisungen gebunden, sondern nur dem Gesetz unterworfen. Diese sachlich unabhängige und selbstständige Stellung ist bundeseinheitlich im Rechtspflegergesetz vom 05.11.1969 verankert und unterscheidet den Beruf von den Beamten der gehobenen Laufbahnen aller übrigen Verwaltungen.

Das Schwergewicht der Aufgaben des Rechtspflegerdienstes liegt bei den Amtsgerichten. Dazu gehört das rechtlich schwierige und vielfältige Gebiet des Grundbuchrechts, in dem Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger z. B. über Anträge auf Eintragung von Eigentum, Eintragung und Löschung von Hypotheken, Grundschulden, Erbbau- und Wohnrechten, Nießbrauchs- und Wegerechten sowie Wohnungs- und Teileigentum entscheiden.

Im Registerrecht sind sie für alle Eintragungen im Handelsregister und in den sonstigen öffentlichen Registern (z. B. Genossenschafts- und Vereinsregister) verantwortlich.

In Nachlasssachen leiten sie z. B. Termine zur Eröffnung von Testamenten und erteilen Erbscheine.

Weite Gebiete des Betreuungs- und Vormundschaftsrechts sind auf den Rechtspfleger übertragen, so z. B. die Erteilung familiengerichtlicher Genehmigungen und die Verpflichtung des Betreuers, Vormunds oder Pflegers, einschließlich deren Überwachung.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens führen in der Regel Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger das gesamte Verfahren weiter durch. Sie leiten die Gläubigerversammlung und überwachen die Tätigkeit des Insolvenzverwalters.
Die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung von Grundstücken gehören zu den schwierigsten Geschäften und verlangen umfassende Kenntnisse des Vollstreckungs- und Grundbuchrechts. Im Zuge dieser Verfahren leiten Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger Gerichtstermine in eigener Verantwortung.

Im gerichtlichen Mahnverfahren entscheiden sie u. a. über Anträge auf Erlass von Mahn- und Vollstreckungsbescheiden, während sie in Zwangsvollstreckungsverfahren über beantragte Pfändungen von Arbeitslöhnen, Gehältern, Hypotheken, Gesellschaftsanteilen und Sparguthaben zu entscheiden haben.

In Strafverfahren überwachen sie anstelle des Richters oder Staatsanwalts die Vollstreckung rechtskräftig verhängter Strafen. Sie ziehen Geldstrafen ein, laden bei Freiheitsstrafen zum Strafantritt und überwachen den fristgerechten Vollzug der festgesetzten Strafzeit. Gegen säumige Verurteilte können sie auch Haftbefehle erlassen.

Der Einsatz moderner EDV-Technik ist in allen Bereichen der Justiz selbstverständlich und eröffnet für entsprechend interessierte Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger auch weitere Betätigungsfelder in diesem Bereich, z. B. in der Systemadministration oder -betreuung.

Mit den vorbezeichneten Beispielen sind keineswegs alle Sachgebiete genannt, bei denen Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger mit wichtigen und weitreichenden Entscheidungen betraut sind. Schon diese Aufzählung vermittelt jedoch ein anschauliches Bild von der Vielseitigkeit des Berufs, die auch im Bereich der Justizverwaltung deutlich wird.

Zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs des gesamten Geschäftsbetriebs sind Beamtinnen und Beamte des Rechtspflegerdienstes als Geschäftsleiterinnen und Geschäftsleiter der Justizbehörden Führungsaufgaben übertragen. Zu deren Wahrnehmung sind sie sachlich wie personell weisungsbefugt.

Im Zuge der Einführung neuer, insbesondere auch betriebswirtschaftlicher Steuerungsinstrumente in der Justizverwaltung (kaufmännisches Rechnungswesen mit doppelter Buchführung, Controlling und Kosten- und Leistungsrechnung) unter Einsatz der Standardsoftware SAP R/3 tragen sie in dieser Funktion besondere Verantwortung für die Gewährleistung einer modernen, bürgerfreundlichen und leistungsfähigen Justiz.

Zusätzlich tragen bei größeren Behörden (Oberlandesgericht, Landgerichte, Amtsgericht Frankfurt a. M. ) in leitender Funktion Referentinnen und Referenten Verantwortung für Personal- und Haushaltsangelegenheiten, Angelegenheiten der Aus- und Fortbildung, Planung und Organisation und Bauangelegenheiten. Diese Aufgabenbereiche verlangen ein Höchstmaß an Entschlusskraft, Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative; Eigenschaften, die auch von den Hauptsachbearbeiterinnen und Hauptsachbearbeitern in den Verwaltungsabteilungen erwartet werden.

In den Vorbereitungsdienst als Beamtin oder Beamter auf Widerruf kann nach dem Ergebnis einer Eignungsprüfung eingestellt werden, wer

  • die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union oder der Länder Island, Liechtenstein, Norwegen oder Schweiz besitzt,(Für die spätere Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe ist der Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit erforderlich.)
  • die Gewähr dafür bietet, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und der Hessischen Landesverfassung einzutreten,
  • höchstens 40 Jahre alt ist (hiervon ausgenommen sind in bestimmten Fällen Soldaten auf Zeit mit mindestens zwölfjähriger Dienstzeit),
  • eine zu einem Hochschulstudium berechtigende Schulbildung (Abitur, Fachhochschulreife) oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand besitzt.

Der Vorbereitungsdienst dauert drei Jahre und besteht aus Fachstudien am Fachbereich Rechtspflege der Hessischen Hochschule für Finanzen und RechtspflegeÖffnet sich in einem neuen Fenster in Rotenburg an der Fulda sowie berufspraktischen Studienzeiten bei einem Ausbildungsamtsgericht und einer Staatsanwaltschaft.

Im Einzelnen gliedert er sich in folgende Studienabschnitte:

  • Fachstudium I mit einem einwöchigen Einführungspraktikum bei dem Ausbildungsamtsgericht (11,5 Monate)
  • Berufspraktikum I (4,5 Monate)
  • Fachstudium II (9,5 Monate)
  • Berufspraktikum II (7,5 Monate)
  • Fachstudium III (3 Monate)

In den Fachstudien I - III lernen und wohnen Sie in der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflegein Rotenburg an der Fulda. Die Lehrveranstaltungen in modernen Hörsälen finden in kleinen Studiengruppen mit 20 bis 30 Personen statt. Gegen eine geringe Kostenbeteiligung wohnen Sie in der Hochschule in möblierten Einzelzimmern mit Telefon und Internet sowie eigenem Badezimmer.

Als Ausbildungsamtsgerichte kommen die Amtsgerichte AlsfeldÖffnet sich in einem neuen Fenster, Bad HersfeldÖffnet sich in einem neuen Fenster, Bad Homburg v. d. HöheÖffnet sich in einem neuen Fenster, DarmstadtÖffnet sich in einem neuen Fenster, EschwegeÖffnet sich in einem neuen Fenster, Frankfurt am MainÖffnet sich in einem neuen Fenster, FriedbergÖffnet sich in einem neuen Fenster, FritzlarÖffnet sich in einem neuen Fenster, FuldaÖffnet sich in einem neuen Fenster, GelnhausenÖffnet sich in einem neuen Fenster, GießenÖffnet sich in einem neuen Fenster, HanauÖffnet sich in einem neuen Fenster, HünfeldÖffnet sich in einem neuen Fenster, KasselÖffnet sich in einem neuen Fenster, KorbachÖffnet sich in einem neuen Fenster, Limburg an der LahnÖffnet sich in einem neuen Fenster, MarburgÖffnet sich in einem neuen Fenster, Offenbach am MainÖffnet sich in einem neuen Fenster, WetzlarÖffnet sich in einem neuen Fenster und WiesbadenÖffnet sich in einem neuen Fenster in Betracht.

Während des Vorbereitungsdienstes erhalten Sie eine attraktive Ausbildungsvergütung (Anwärterbezüge) und haben Anspruch auf 30 Tage Erholungsurlaub für jedes volle Kalenderjahr. Informationen zu den finanziellen Leistungen während und nach der Ausbildung sind dem Abschnitt „Besoldung und sonstige Leistungen" zu entnehmen.

Mit Bestehen der schriftlichen und mündlichen Laufbahnprüfung wird der Diplomgrad„Diplom- Rechtspfleger/in (FH)" verliehen.

Da die Einstellungen in den Vorbereitungsdienst bedarfsorientiert erfolgen, werden nach bestandener Laufbahnprüfung regelmäßig alle Nachwuchskräfte als Justizinspektorinnen und Justizinspektoren in das Beamtenverhältnis auf Probe (mit dem Ziel der späteren Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit) übernommen.

Es erwartet Sie ein moderner und sicherer Arbeitsplatz mit attraktivem Einkommen und guten Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Flexible Arbeitszeitregelungen, diverse Teilzeitmodelle und die Möglichkeit, die Arbeit mit entsprechender technischer Ausstattung auch außerhalb der Dienststelle zu erledigen („Home-Office“), tragen in hohem Maße zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei.

Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger, die nach ihrer Persönlichkeit, ihren Anlagen, ihrer Leistung und ihrer Führung besonders geeignet erscheinen, können sich nach einer dreijährigen Bewährungszeit für den Amtsanwaltsdienst weiter qualifizieren. Die Befähigung ist in einer zusätzlichen Ausbildung zu erwerben.

Deren Ziel ist es, Amtsanwältinnen und Amtsanwälte heranzubilden, die in der Lage sind, selbstständig und mit sozialem Verständnis Aufgaben des Staatsanwalts in einer Vielzahl von Verfahren vor dem Amtsgericht wahrzunehmen. Dazu gehören insbesondere die Erhebung der Anklage und die Vertretung der Staatsanwaltschaft in der gerichtlichen Hauptverhandlung.

Im Rahmen eines dreimonatigen Aufbaustudiums „Justizmanagement" haben ambitionierte Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger die Möglichkeit, zusätzliche Qualifikationen für die Wahrnehmung der vielfältigen und verantwortungsvollen Tätigkeit im Bereich der Justizverwaltung zu erwerben.

Einige leitende Funktionen in der Justizverwaltung (Referentinnen/Referenten) eröffnen auch den Aufstieg in den höheren Justizverwaltungsdienst (Regierungsrat, -oberrat, -direktor), der keine weitere Ausbildung und Prüfung erfordert.

Wenn Sie Interesse an dem Berufsbild der Diplom-Rechtspflegerin (FH) oder des Diplom-Rechtspflegers (FH) gefunden haben und eine Stellung anstreben, in der Sie in einer modernen Justiz verantwortlich und selbstständig mitarbeiten können, richten Sie Ihre Bewerbung möglichst bis zum 31. Oktober für den Einstellungstermin 1. September des darauf folgenden Jahres an den

Herrn Präsidenten
des Oberlandesgerichts
60256 Frankfurt am Main

Eventuelle Fristverlängerungen finden Sie in den Stellenausschreibungen.

Sollten Sie darüber hinaus - oder ausschließlich - Interesse an einer Einstellung für eine spätere Tätigkeit als Rechtspflegerin oder Rechtspfleger bei einem hessischen Arbeits-, Sozial- oder Verwaltungsgerichthaben, richten Sie Ihre Bewerbung bitte (auch) an

Herrn Präsidenten
des Hessischen Landesarbeitsgerichts
Gutleutstraße 130
60327 Frankfurt am Main

und/oder

Herrn Präsidenten
des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs
Goethestraße 41 – 43
34119 Kassel

und/oder

Herrn Präsidenten
des Hessischen Landessozialgerichts
Steubenplatz 14
64293 Darmstadt

Sofern Sie sich fürmehrere Bereiche bewerben möchten, ist die Übersendung von jeweils gesonderten Bewerbungen nebst Unterlagen erforderlich. Eine interne Weiterleitung findet zwischen denEinstellungsbehörden nicht statt.

Bitte bewerben Sie sich über das Bewerberportal des Landes HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster.

Folgende Unterlagen bitte ich innerhalb des Bewerbungsvorganges als PDF-Dokument dort hochzuladen:

  • Bewerbungsanschreiben
  • Lebenslauf (mit Angabe der Staatsangehörigkeit)
  • Beglaubigte Abschrift/Ablichtung des Abschlusszeugnisses oder letzten Schulzeugnisses
  • Einverständniserklärung beider gesetzlicher Vertreter, sofern Sie minderjährig sind
  • evtl. Zeugnisse über Beschäftigungen (auch Ausbildung und/oder Studium) seit der Schulentlassung

Von Bewerberinnen/Bewerbern, deren Einstellung in Aussicht genommen ist, sind darüber hinaus auf Anforderung folgende weitere Unterlagen einzureichen:

  • beglaubigte Abschrift der Geburtsurkunde, ggfs. der Eheurkunde oder der Lebenspartnerschaftsurkunde sowie Geburtsurkunden der Kinder
  • Amtsärztliches Gesundheitszeugnis
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Erklärung, ob gegen sie ein gerichtliches Strafverfahren oder ein staats-(amts-)anwaltschaftliches Ermittlungsverfahren anhängig war bzw. ist
  • Erklärung, ob und gegebenenfalls welche Schulden sie haben

Nach einer notenmäßigen Vorauswahl findet ein eintägiger Eignungstest statt, der neben einem schriftlichen Teil eine Gruppendiskussion und ein Einzelgespräch beinhaltet.

Die hessische Justiz fördert aktiv die Gleichstellung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir begrüßen deshalb im Rahmen der rechtlichen Vorgaben für die ausgeschriebenen Stellen Bewerbungen von allen Menschen, unabhängig von deren Geschlecht, kultureller und sozialer Herkunft, Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Orientierung.

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