Jugendstrafvollzug in Hessen ist erfolgreich

Evaluierung des hessischen Jugendstrafvollzugs

Kann der Jugendstrafvollzug kriminelle Karrieren aufbrechen? Der Tübinger Kriminologe Professor Dr. Hans-Jürgen Kerner sagt ein klares Ja. Ein Aufenthalt im Gefängnis sei geeignet, im Kopf der jungen Täter den Hebel umzulegen, das Denken umzuschalten.

Im Auftrag des Hessischen Ministeriums der Justiz haben Professor Dr. Kerner und die Marburger Sozialpsychologen Professor Dr. Ulrich Wagner und Dr. Jost Stellmacher die Wirksamkeit der Jugendhaft untersucht. Die Tübinger Forschungsgruppe um Prof. Kerner analysierte die Legalbewährung dreier Entlassungsjahrgänge. Von den Marburger Forschern wurden junge Männer am Anfang und am Ende ihrer Haft eingehend befragt. Der dritte, gut 600 Seiten umfassende Abschlussbericht zur Evaluation des hessischen Jugendstrafvollzugs mit weiteren ca. 600 Seiten Anlagen und Materialien, liegt jetzt vor.

Die Ergebnisse der Studie in Kurzform:   

Die weitaus meisten jungen Häftlinge waren bei Antritt ihrer Strafe ohne Beruf und ohne regelmäßige Arbeit, dafür indessen zu einem ebenso hohen Prozentsatz mehrfach strafrechtlich aufgefallen. Eine sehr hohe Rückfallgefährdung war demnach anzunehmen. Etwa 70 Prozent wurden auch wieder rückfällig, aber nur 30 Prozent kamen wieder in Haft. Denn Ausmaß und Schwere der neuen Taten hatten in den meisten Fällen deutlich abgenommen.

Diese Quote werten die Wissenschaftler als Erfolg, denn Richter verhängen Haftstrafen nur noch sehr zurückhaltend, mit dem Ergebnis, dass nur noch sehr schwieriges Klientel hinter Gittern landet.

Weitere Befunde der Studie: Die Gefangenen geben den Angeboten im Justizvollzug durchweg gute Noten, das heißt, sie akzeptieren das Ausbildungsangebot. Im Verlauf der Haft lassen sich insgesamt fast ausschließlich positive Effekte feststellen. Die positiven Veränderungen betreffen unterschiedliche Facetten wie zum Beispiel die geringere Gewaltbereitschaft in Konfliktsituationen, die Zunahme der sozialen Unterstützung und die Steigerung der Leistungsmotivation. Sie entwickeln Selbstwertgefühl und Bereitschaft zur Wiedereingliederung. Sie brechen mit ihrem alten Umfeld. Sie träumen von denselben Idealen wie andere Jugendliche, also von Familie, Kinder, Beruf.

Die Analysen der beiden Forschungsgruppen liefern demnach ernst zu nehmende Hinweise, dass es offensichtlich gelungen ist, einer Klientel mit schwierigen Ausgangsbedingungen Alternativen zu einer kriminellen Karriere aufzuzeigen und ihre Chancen in Richtung soziale Integration zu verbessern.

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann verweist auf den hohen Personalschlüssel im Jugendvollzug. Beispiel: In der Justizvollzugsanstalt Rockenberg werden rund 150 jugendliche Täter von rund 170 Sozialarbeitern, Psychologen, Handwerksmeistern, Ausbildern, Lehrern, Vollzugsbeamten, Krankenpflegern, einem Arzt, Drogenberatern und Seelsorgern betreut.

Justizministerin Kühne-Hörmann: „Dieser Aufwand und das Engagement zahlt sich aus. Das ist eine Investition in eine bessere Zukunft dieser Jugendlichen und in die Sicherheit der Menschen in Hessen.“