Eva Kühne-Hörmann: „Über 80 Prozent der Beratungen aus Bereich Körperverletzungsdelikte“

Einweihung Räumlichkeiten Darmstädter Hilfe

16.05.2018Hessisches Ministerium der Justiz

Gemeinsam mit dem Bürgermeister der Stadt Darmstadt, Rafael Reißer, dem Präsidenten des Landgerichts Darmstadt, Dr. Ralf Köbler, der Leitenden Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Kerstin Reckewell, sowie dem Vorstand des neu gegründeten Vereins „Darmstädter Hilfe – Beratung für Opfer und Zeugen in Südhessen e.V.“, Herrn Dr. Christoph Gebhardt, dem Polizeipräsident Südhessen, Herrn Bernhard Lammel sowie dem Präsidenten des Amtsgerichts Darmstadt, Herr Markus Herrlein, eröffnete Justizministerin Eva Kühne-Hörmann feierlich die neuen Räumlichkeiten der Darmstädter Hilfe.

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Justizministerin Eva Kühne-Hörmann
© HMdJ

In ihrem Grußwort ging die Justizministerin auf die Bedeutung des Opferschutzes ein: „Ich freue mich ganz besonders, dass wir in kurzer Abfolge die Opferhilfe in Fulda und jetzt in Darmstadt eröffnen können. Dem ging viel persönlicher Einsatz aller Beteiligten voraus, wofür ich mich herzlich bedanke“, so die Justizministerin zu Beginn ihres Grußwortes.

„Über 80 Prozent der landesweit rund 2.000 Beratungsfälle im Jahr kommen aus dem Bereich der Gewaltdelikte. Der Schwerpunkt der Arbeit der Opferhilfevereine liegt deshalb klar im Bereich der Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit. Die Opfer sind oft nicht nur körperlich verletzt, sondern auch traumatisiert. Die Opferhilfevereine sind deshalb Anlaufstellen, bei denen man sich professionelle Beratung und Hilfe holen kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Opferberatung sind geschult und stehen den Menschen in diesen schweren Momenten zur Seite“, so Kühne-Hörmann.

Viel im Bereich Opfer- und Zeugenschutz erreicht

„In den letzten Jahren haben wir im Bereich Opfer- und Zeugenschutz viel erreicht. Mit knapp über einer Million Euro hat das Land Hessen noch nie so viel für den Opfer- und Zeugenschutz ausgegeben wie in den letzten und in den kommenden Jahren. Zahlreiche Zeugen- und Kinderzeugenzimmer wurden eingerichtet und für die psychosoziale Prozessbetreuung von Opfern und Zeugen setzen wir jährlich 250.000 Euro zusätzlich ein. Natürlich ist der beste Opferschutz, erst gar keine Opfer entstehen zu lassen. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren auch sehr viele Maßnahmen im Bereich der Kriminalitätsprävention ergriffen. In vielen Bereichen, etwa der Jugendkriminalität, kann man einen signifikanten Rückgang der Kriminalität verzeichnen. Das ist auch Ergebnis dieser Arbeit“, so Kühne-Hörmann, die ankündigte: „Es gibt aber auch kriminelle Wachstumsfelder, etwa der Bereich der Kinderpornografie im Internet sowie die Internetkriminalität im Allgemeinen. Hier werden wir unsere Arbeit sowohl im Bereich der Prävention als auch im Bereich der Verfolgung von Straftaten weiter intensivieren“.

Initiative zu Cybergrooming 

„Wir werden uns stärker um die vielen noch unsichtbaren Opfer kümmern. Oft sind es Kinder und Jugendliche, die im Internet von Erwachsenen mit dem Ziel späterer sexueller Kontakte angesprochen und unter Druck gesetzt werden („Cybergrooming“). Auf der kommenden Justizministerkonferenz werden wir deshalb vorschlagen, solche Anbahnungsversuche künftig effektiver unter Strafe zu stellen“, so Eva Kühne-Hörmann, die darauf verwies, dass gerade im Bereich des Cybergroomings ein großes Dunkelfeld vermutet wird: „Die Täter geben sich oft als Kinder oder Gleichaltrige aus und versuchen so im Internet Kontakt aufzunehmen. Erst im weiteren Chatverlauf kommt es dann zu Versuchen, sich mit den Kindern zu verabreden oder sie zu sexuellen Handlungen zu überreden. Viele Kinder werden dabei von den Tätern unter Druck gesetzt und getrauen sich nicht, ihre Erlebnisse den Eltern anzuvertrauen. Wir wollen deshalb Ermittler effektiver im Netz einsetzen dürfen. Aus Sicht des Täters macht es beim konkreten Anbahnungsversuch keinen Unterschied, ob am anderen Ende des Chats ein verdeckter Ermittler oder wirklich ein Kind sitzt. Für die Strafbarkeit sollte es ebenfalls keinen Unterschied machen. Schon der Versuch solcher Anbahnungen sollte deshalb unter Strafe stehen. Hessen will so erreichen, dass wir effektiver gegen Cybergrooming vorgehen und ermitteln können.“

„Opfer und Zeugen von Straftaten sind aber auch bei der Tataufarbeitung besonders wichtig. Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, bei denen sich Opfer und Zeugen von Straftaten auch getrauen, gegen die Straftäter auszusagen. Nur wenn die Justiz verwertbare Aussagen im Strafverfahren erhält, können die Täter auch zur Rechenschaft gezogen werden. Das geht nur, wenn das Opfer oder die Zeugen keine Angst vor einer Aussage vor Gericht haben. Das Schweigen der Opfer darf nicht zur Waffe der Täter im Strafverfahren werden“, so die Justizministerin weiter.

Angebot im Bereich Opfer- und Zeugenschutz weiter ausbauen

„Die Betreuung von Opfern ist mit der Begleitung des Strafverfahrens nicht abgeschlossen. Anzeigeerstatter oder auch Zeugen wollen manchmal einfach nur wissen, wie die Verfahren ausgegangen sind oder haben andere Fragen zum Verfahren. Auch hier können die Opferberatungsstellen wichtige Partner und Anlaufpunkt sein. Wir werden deshalb in Hessen nicht nachlassen, das Angebot im Bereich Opfer- und Zeugenschutz weiter auszubauen“, so die Justizministerin.

„Das geht nicht ohne Partner. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass sich, wie auch in anderen Standorten in Hessen, die Partner in Darmstadt gefunden haben. Polizei, Staatsanwaltschaft, Opferhilfevereine und der Weiße Ring verbinden große Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Betroffenen. Die offizielle Einweihung der Räumlichkeiten möchte ich deshalb auch dazu nutzen, allen die zur Verwirklichung des Projektes beigetragen haben, zu danken und Ihnen für die Arbeit die jetzt vor Ihnen liegt, viel Erfolg zu wünschen“, sagte Eva Kühne-Hörmann in ihrem Grußwort.

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