Eva Kühne-Hörmann: „Prävention lebt von Engagement“ | Hessisches Ministerium der Justiz
Wechsel an der Spitze des Hessischen Landespräventionsrates

Eva Kühne-Hörmann: „Prävention lebt von Engagement“

16.01.2018Hessisches Ministerium der Justiz

Nach über 13 Jahren an der Spitze des Hessischen Landespräventionsrates wechselte heute der Vorsitz von Prof. Dr. Dieter Rössner auf den hessischen Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Helmut Fünfsinn.

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Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Prof. Dr. Dieter Rössner sowie Prof. Dr. Helmut Fünfsinn
Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Prof. Dr. Dieter Rössner sowie Prof. Dr. Helmut Fünfsinn
© HMdJ

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann nutzte die Gelegenheit einer Gremiensitzung des Präventionsrates, um Herrn Prof. Dr. Rössner für sein jahrzehntelanges Engagement im Landespräventionsrat zu danken. „Lieber Prof. Dr. Rössner, Sie gehörten über Jahre zu den wichtigen Stützen des Landespräventionsrates. Mit Ihrer Arbeit haben Sie viele wichtige Impulse für die Präventionsarbeit in Hessen und darüber hinaus geliefert. Wir alle verdanken Ihnen deshalb sehr viel und wünschen uns, dass Sie dem Landespräventionsrat noch lange beratend zur Seite stehen werden“, so Eva Kühne-Hörmann.

Prävention, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Erst kürzlich feierte der Landespräventionsrat sein 25-jähriges Jubiläum. In diesen zweieinhalb Jahrzehnten prägte die Arbeit des Landespräventionsrates viele gesellschaftliche Ansätze. „Kriminalitätsvorbeugung kann nur erfolgreich sein, wenn man Prävention als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht. Bei der Präventionsarbeit sind alle als Partnerinnen und Partner gefragt – von Justiz und Polizei über Arbeits-, Sozial- und Bildungswesen. Von der Pionierarbeit, die es vor 25 Jahren sicherlich noch war, profitieren wir noch heute“, so die Justizministerin.

 „Es war gerade der vernetzende Ansatz, der die Arbeit des Landespräventionsrates so erfolgreich gemacht hat. Projekte wie die Häuser des Jugendrechts, das Netzwerk Deradikalisierung im Strafvollzug (NeDiS) oder auch das Programm ‚Fit für den Rechtsstaat – Fit für Hessen!‘ folgen dieser vernetzenden Idee bis heute“, so die Ministerin, die fortfuhr: „Dass es das Thema Prävention es aus den Besprechungsräumen und Hörsälen in die Mitte der Gesellschaft geschafft hat, ist engagierten Menschen wie Prof. Dr. Rössner zu verdanken. Denn die Präventionsidee ist nicht immer leicht zu vermitteln. Gerade in schwierigen Sachverhalten, in der Jugendkriminalität oder auch in anderen Bereichen, bedarf es mutiger Stimmen, die langfristige, und manchmal auch gesellschaftliche Ansätze vertreten. Denn Prävention ist auf lange Sicht Opferschutz. Jede Straftat, die verhindert wird, verhindert auch Opfer“, so Eva Kühne-Hörmann.

„Lieber, sehr geehrter Prof. Dr. Rössner, ich danke Ihnen nochmals für Ihre Arbeit und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit und Energie und dass Sie etwas mehr Zeit für die Familie und Ihre Lieben haben“, so Eva Kühne-Hörmann.

Neuer Vorsitz

Der neue Vorsitzende des Landespräventionsrates ist ein alter Bekannter der Präventionsarbeit. Denn mit dem hessischen Generalstaatsanwalt, Prof. Dr. Helmut Fünfsinn, bekommt der Landespräventionsrat nicht nur einen ausgezeichneten Kenner der Präventionsarbeit, sondern auch einen erfahrenen Praktiker. „Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Fünfsinn, ich danke Ihnen für die Bereitschaft, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen. Präventionsarbeit ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen. Aktuelle Entwicklungen haben deshalb auch immer Einfluss auf die Auswahl der Themen und Projekte. Als Generalstaatsanwalt sehen Sie diese Entwicklungen besonders schnell und können Ihre Erfahrungen in die Arbeit des Präventionsrates einfließen lassen.“

Infobalken

Die Sachverständigenkommission für Kriminalprävention der Hessischen Landesregierung (Landespräventionsrat) wurde 1992 auf Vorschlag des Hessischen Ministeriums der Justiz als bundesweit zweiter Landespräventionsrat eingerichtet. Dem Landespräventionsrat gehören derzeit 33 Personen an. Diese arbeiten bei gesellschaftlichen und nichtstaatlichen Organisationen wie Religionsgemeinschaften, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Landesfrauenverbänden, in der Versicherungswirtschaft, Sozial- und Rechtswissenschaft, beim Landessportbund etc. oder vertreten andere Institutionen. Darüber hinaus sind Mitarbeiter des Justiz-, Innen-, Kultus- und Sozial- sowie des für die Wohnungsbaupolitik zuständigen Ministeriums beteiligt. Der Landespräventionsrat unterstützt mithilfe der Geschäftsführung und dem Hessischen Ministerium der Justiz die Präventionsarbeit vor Ort.

Der Landespräventionsrat beschäftigt sich in elf Arbeitsgruppen mit den Themen „Gewalt und Minderheiten“, „Gewalt im häuslichen Bereich“, „Prävention für ältere Menschen“, „Jugendkriminalität“, „Ladendiebstahl“, „Praxisorientierte Erfolgskontrolle“, „Bekämpfung illegaler Graffiti“, „Gewalt im öffentlichen Raum bei Schülerinnen und Schülern“, „Vernachlässigung von Kindern“, „Sport und Prävention“ sowie „Suchtprävention“ und koordiniert deren Tätigkeiten. Heute gibt es in Hessen weit über 170 kommunale Gremien und Zusammenschlüsse sowie eine große Anzahl einzelner Präventionsprojekte.

Prof. Dr. Dieter Rössner, Jahrgang 1945, hat in Tübingen Rechtswissenschaften studiert und die anschließende Referendarzeit absolviert. Die berufliche Laufbahn hat er mit einer fast zehnjährigen Tätigkeit im baden-württembergischen Justizdienst als Richter, Staatsanwalt und Referent im Justizministerium begonnen. Von 1978 bis 1985 unterrichtete Prof. Rössner neben dem Hauptamt an der Universität Tübingen. 1985 übernahm er eine Professur am Institut für Sozialpädagogik an der Universität Lüneburg. Von 1988 bis 1993 hatte er eine Professur für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Göttingen inne, danach von 1993 bis 1997 einen entsprechenden Lehrstuhl in Halle. Dort war er am Aufbau der 1993 wieder gegründeten juristischen Fakultät als Dekan beteiligt. Von 1997 bis 2012 hatte er den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, und Kriminologie an der Philipps-Universität Marburg inne, seit 2001 ist er Direktor des Instituts für Kriminalwissenschaften Marburg und von 2006 bis 2009 war er überdies in Marburg Studiendekan.

Seit 1985 ist Prof. Rössner ständiges Mitglied der Arbeitsgruppe Alternativ-Entwurf deutscher, schweizerischer und österreichischer Strafrechtslehrer. Seit 1991 arbeitet er unter anderem als Präsident im Vorstand der Neuen Kriminologischen Gesellschaft. Auf kriminalpolitischem Gebiet ist er als entschiedener Befürworter zur Einführung und Stärkung der Konfliktregelung (Täter-Opfer-Ausgleich) im Jugendstrafrecht und im allgemeinen Strafrecht bekannt geworden.

Die Entwicklung der Straftheorie im Rechtsstaat wie auch die Sanktions- und Kriminalpolitik sind wichtige Arbeitsgebiete ebenso wie das Anliegen einer opferbezogenen Strafrechtspflege. Weitere besondere Arbeitsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der empirischen Kriminologie bei der Gewaltforschung, der Vergleichsuntersuchung zur Persönlichkeit von Straftätern

und im Bereich der forensischen Psychiatrie sowie vor allem auch im Bereich der Kriminalprävention, wo er das „Düsseldorfer Gutachten“ als Ertragsanalyse der Wirkungsforschung erarbeitet und herausgegeben hat (zusammen mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Landespräventionsrates Britta Bannenberg). Hinzu kommen Forschungen über die NS-Strafjustiz, Untersuchungen zur Hasskriminalität sowie aus dem Bereich des Sportrechts Arbeiten zur Strafgewalt und Sanktionsstruktur des Sportverbands.

Prof. Dr. Rössner hatte den Vorsitz im Hessischen Landespräventionsrat seit 8. Dezember 2004 inne.

Professor Dr. Helmut Fünfsinn wurde am 4. Juli 1954 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur und dem abgeleisteten Zivildienst begann er 1974 das Studium der Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 1980 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen ab. Seinen Vorbereitungsdienst im Landgerichtsbezirk Frankfurt am Main begann er im September 1980. Von Oktober 1982 bis März 1983 war er als wissenschaftliche Hilfskraft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig. Sein zweites juristisches Staatsexamen absolvierte er im Februar 1983.

Von April 1983 bis August 1986 war Prof. Dr. Fünfsinn als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main beschäftigt. Im Jahre 1986 wurde er zum Richter auf Probe zunächst beim Landgericht Frankfurt am Main, 1987 beim Amtsgericht Königstein im Taunus und 1988 wiederum beim Landgericht Frankfurt am Main ernannt. Am 1. April 1989 erfolgte die Abordnung und im Jahre 2000 die Versetzung an das Hessische Ministerium der Justiz. Dort war er unter anderem als Referatsgruppenleiter der Ref. Gr. III/A tätig. Im Juni 2000 wurde er zum stellvertretenden Leiter und im Juni 2001 zum Abteilungsleiter der Abteilung Strafrecht bestellt. Im April 2002 übernahm er die Leitung dieser Abteilung.

Zum 1. Oktober 2015 wurde Professor Dr. Helmut Fünfsinn zum Generalstaatsanwalt als Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ernannt.

Im Nebenamt ist er seit 1992 Geschäftsführer der Sachverständigenkommission für Kriminalprävention der Hessischen Landesregierung (Landespräventionsrat). Mit Wirkung vom 16. Januar 2018 wurde Prof. Dr. Helmuth Fünfsinn zum Vorsitzenden des Landespräventionsrates berufen.

Veröffentlichungen von ihm gibt es vor allem aus den Bereichen Straf- und Strafprozessrechts, Rechtspolitik und Kriminalprävention. Am 23. Juni 2014 wurde Dr. Helmut Fünfsinn die akademische Bezeichnung „Honorarprofessor“ durch die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main verliehen.

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