Präsidentin des Verwaltungsgerichts Gießen geht in den Ruhestand

Johanna Domann-Hessenauer - Eine Leidenschaftliche Vertreterin des Rechts

21.02.2018Hessisches Ministerium der Justiz

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hat heute der Präsidentin des Verwaltungsgerichts Gießen, Johanna Domann-Hessenauer, ihre Ruhestandsurkunde überreicht. Die Justizministerin dankte der engagierten Präsidentin insbesondere auch für die große Unterstützung bei der Bewältigung der Asylverfahren in den letzten Jahren.

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v.l.n.r.: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Johanna Domann-Hessenauer, Präsidentin des Verwaltungsgerichts Gießen
v.l.n.r.: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Johanna Domann-Hessenauer, Präsidentin des Verwaltungsgerichts Gießen
© HMdJ

„Die Verwaltungsgerichte sind die Orte, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger gegen staatliches Handeln zur Wehr setzen und dieses auf seine Rechtmäßigkeit hin überprüfen lassen können. Verwaltungsgerichte sind deshalb nicht nur Wahrzeichen der Demokratie, sie sind Errungenschaften des mündigen Bürgers. Sie drücken bürgerliche Teilhabe an staatlichen Entscheidungen aus und garantieren die Freiheit des Einzelnen. Sie sind so auch Schutzwall vor autokratischen Strukturen und Entwicklungen, wie wir sie derzeit in vielen Ländern beobachten müssen“, so Eva Kühne-Hörmann anlässlich der Urkundenübergabe.

Herausforderung für die hessischen Verwaltungsgerichte

 „Aktuell ist die hohe Zahl der Asylverfahren sicherlich die größte Herausforderung für die hessischen Verwaltungsgerichte. Im letzten Jahr wurden insgesamt 25.803 Eingänge bei den Hauptverfahren und 3.959 Eingänge bei den Eilverfahren verzeichnet. Damit wurden erstmals die Eingangszahlen in Asylsachen der Flüchtlingswelle Anfang der 1990er Jahre überschritten. Wir haben darauf bereits reagiert und landesweit neue Kammern an den hessischen Verwaltungsgerichten eingerichtet. Bis zum Jahr 2017 wurden insgesamt 45 Richterstellen in der Verwaltungsgerichtsbarkeit nachbesetzt und neue Stellen geschaffen. Im Doppelhaushalt 2018/2019 wurden noch einmal 30 neue Stellen für die Verwaltungsgerichte geschaffen, davon 14 Richterstellen. Damit haben wir entschieden, aber auch verantwortungsvoll auf die Entwicklungen reagiert“, erläuterte Eva Kühne-Hörmann, die in diesem Zusammenhang auch auf die seit Monaten sinkenden Eingangszahlen hinwies: „Gingen im ersten Halbjahr 2017 noch über 17.000 neue Asylverfahrenseingänge an hessischen Verwaltungsgerichten ein, sind es derzeit knapp über 1.000 Eingänge im Monat. Auch wenn dies immer noch sehr hohe Eingangszahlen sind, zeigt dies doch, dass der Höhepunkt der Verfahrenseingänge überstanden ist.“

Engagiert und offen

„Sehr geehrte Frau Domann-Hessenauer, Sie haben uns in dieser Entwicklung stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Nicht nur fachlich, bei den Reformen des Asylverfahrensrechts in den Jahren 2015 und 2016, sondern auch im Bereich der technischen Lösungen, etwa wenn es darum ging, die  Kommunikation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und den hessischen Gerichten flächendeckend auf elektronischer Basis durchzuführen“, so Eva Kühne-Hörmann.

„Gerade das Verwaltungsgericht in Gießen als zuständiges Gericht für die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Hessen, war von der Flüchtlingswelle besonders betroffen. Sie haben diese Herausforderung immer positiv aufgenommen und mit Engagement und Offenheit für Neues daran mitgewirkt, so dass wir heute sagen können, dass noch ein großer Berg an Arbeit vor uns liegt, dass wir aber sowohl die Ressourcen als auch die Technik in der Hand haben, damit umzugehen. Dafür und für Ihre stets tatkräftige Unterstützung danke ich Ihnen ganz herzlich. Sie haben immer darauf Wert gelegt, dass hinter den Asylverfahrenszahlen auch Schicksale stehen. Ganz egal, ob die Menschen auf der Flucht vor Terror und Krieg oder aus anderen Gründen zu uns nach Deutschland gekommen sind. Die Aufgabe des Gerichts ist es, unabhängig von der Person zu überprüfen, ob die rechtlichen Grundlagen eingehalten und ein rechtmäßiges Verfahren durchgeführt wurde. Jeder hat ein Recht auf eine faire Behandlung, und genau dies haben Sie immer sowohl menschlich als auch fachlich verkörpert. Damit haben Sie sich nicht nur um die Verwaltungsgerichtsbarkeit im Besonderen, sondern auch um die gesamte Justiz im Allgemeinen verdient gemacht, denn das Ansehen des Staates und mithin auch der Justiz ist ein wesentlicher Bestandteil für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Dieses Vertrauen wiederum ist die Grundlage für die Akzeptanz der staatlichen Entscheidungen“, so die Justizministerin.   

„Für Sie beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Ein arbeitsreiches, aber auch abwechslungsreiches und spannendes Arbeitsleben liegt hinter Ihnen. Ich bin mir sicher, dass Sie auch im Ruhestand der Justiz und Ihrem gesellschaftlichen Engagement treu bleiben. Dafür wünsche ich Ihnen nicht nur viel Gesundheit und Schaffenskraft, sondern immer auch mal ein ‚schönes Spiel‘“, so Eva Kühne-Hörmann zu der passionierten Golfspielerin.

Johanna Domann-Hessenauer wurde 1952 in Dillenburg geboren. Nach dem Abitur begann sie 1971 mit dem Studium er Rechtswissenschaften an der Johann Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Ihre 1. juristische Staatsprüfung legte sie 1977 ab. Noch im gleichen Jahr absolvierte sie ihren juristischen Vorbereitungsdienst im Landgerichtsbezirk Wiesbaden. Die 2. Juristische Staatsprüfung legte sie 1981 ab.

Von 1981 bis 1985 war sie als Richterin auf Probe bei den Amtsgerichten Groß-Gerau und Rüsselsheim sowie bei dem Verwaltungsgericht Wiesbaden. Ab Februar 1985 bis Dezember 2004 war sie Richterin beim Verwaltungsgericht Wiesbaden. In dieser Zeit – von September 2001 bis Mai 2005 – wurde sie an den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel abgeordnet.

Im Dezember 2004 wurde sie zur Vorsitzenden Richterin am Verwaltungsgericht Darmstadt ernannt. Von November 2012 bis Dezember 2013 war sie zum Verwaltungsgericht in Kassel abgeordnet. Die Ernennung zur Präsidentin am Veraltungsgerichts Gießen erfolgte am 5. August 2014.

Mit Erreichen der Altersgrenze tritt Frau Domann-Hessenauer zum Ende des Monats März 2018 in den Ruhestand.

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