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Umgang mit Hochrisikofällen

Konferenz der Runden Tische gegen häusliche Gewalt in Hessen

02.02.2017Hessisches Ministerium der Justiz

Das Gewaltschutzgesetz hat 2002 mit seinem Grundsatz „Wer schlägt, der geht“ ein klares gesellschaftliches Zeichen gesetzt. Dennoch ist Gewalt in Beziehungen leider nach wie vor nicht selten.

„Deshalb freue ich mich sehr, dass Sie der Einladung der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt und der Arbeitsgruppe II des Landespräventionsrates gefolgt sind, um über mögliche Kooperationen beim Umgang mit Hochrisikofällen bei häuslicher Gewalt zu sprechen“, sagte Justizstaatssekretär Thomas Metz heute in Frankfurt.

Zu schweren Gewalttaten innerhalb einer Familie, zu Mord und Mordversuch kommt es nur selten aus „heiterem Himmel“. Meist wurde davor bereits wiederholt Gewalt ausgeübt und weitere Gewalt angedroht. Der Staat und seine Institutionen, die für den Schutz von Menschen verantwortlich sind, haben in den Fällen, in denen es bereits eine bekannte Vorgeschichte von Gewalt gibt, gute Chancen, die Eskalation von Gewalt zu verhindern.

„Die enge Zusammenarbeit von Behörden und Einrichtungen, der Austausch über Risikofaktoren und das gemeinsame Vorgehen gegen Gewalt sind wichtige Methoden der Gewaltprävention“, so der Staatssekretär.

„In den örtlichen Arbeitskreisen findet ein ganz besonders wichtiger Austausch der vor Ort miteinander agierenden Berufsgruppen statt. Sie tragen alle dazu bei, in Hessen ein breit verankertes Netzwerk zur Bekämpfung und Verhinderung häuslicher Gewalt zu installieren“, betonte Thomas Metz.

Thomas Metz: „Die Gewährleistung des Kindeswohls geht uns alle an. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und Daueraufgabe zugleich“! Kinder sind nicht nur dann betroffen, wenn sie selbst direktes Opfer von Gewalthandlungen in der Familie sind. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bereits das Miterleben elterlicher Gewalttätigkeiten zu negativen Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder führen kann. Kinder, die Misshandlungen miterleben, lernen und übernehmen dieses Verhalten. Es zeigt sich, dass diese Kinder zumindest eine Akzeptanz für den Gebrauch von Gewalt als Konfliktlösungsmuster entwickeln können und eigene Gewalttätigkeiten damit rechtfertigen. Wer als Kind häusliche Gewalt miterleben musste, hat als Erwachsener ein dreifach erhöhtes Risiko selbst zum Täter bzw. zum Opfer häuslicher Gewalt zu werden. „Kinder, die Gewalt in der Partnerschaft ihrer Eltern miterleben, brauchen daher besonderen Schutz und Unterstützung.“

Informationen:

Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS):

Das Bundeskriminalamt hat in 2015 erstmals eine differenzierte Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zu Gewalt in Paarbeziehungen veröffentlicht. Demnach waren bundesweit 415 Opfer von Mord und Totschlag durch ihre Partner oder Ex-Partner zu verzeichnen. Davon betroffen waren 84 männliche Opfer (20,2 Proeznt) und 331 weibliche Opfer (79,8 Prozent). Dabei wurden insgesamt 430 Tatverdächtige erfasst, 345 männliche (80,2 Prozent) und 85 weibliche (19,8 Prozent).

Gemäß der Auswertung des hessischen Landeskriminalamtes wurden in Hessen in 2015 insgesamt 27 Straftaten gegen das Leben im Kontext von häuslicher Gewalt verzeichnet. Davon wurden 3 als Mord, 22 als Totschlag und 2 Fälle als Schwangerschaftsabbruch aufgenommen. Von diesen insgesamt 27 Straftaten wegen Mord und Totschlag waren 9 vollendet und 18 versucht. Von den insgesamt 9 Getöteten waren 8 Opfer weiblich und 1 Opfer männlich.

Gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik waren in Hessen in 2015 insgesamt 7.732 Fälle häuslicher Gewalt zu verzeichnen. In 3.367 der registrierten Fälle - somit in 43,5 Prozent -  wurden 5.254 Minderjährige in der Wohnung des Tatgeschehens vorgefunden und waren somit zumindest mittelbar betroffen.

Von den insgesamt 7.506 Opfern waren 16,0 Prozent männlich und 84,0 Prozent weiblich. Von den insgesamt 6.577 Tatverdächtigen waren 84,6 Prozent männlich und 15,4 Prozent weiblich.

Diese Zahlen sind in Hessen seit Jahren gleichbleibend. Diese beleuchten nur das Hellfeld, wie wir aus Untersuchungen wissen, ist das Dunkelfeld sehr viel höher. 

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