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Auszeichnung

Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Christel Nies

23.02.2018Hessisches Ministerium der Justiz

Im Rahmen einer Feierstunde hat Justizministerin Eva Kühne-Hörmann die Musikerin Christel Nies aus Kassel für ihr kulturelles Lebenswerk ausgezeichnet.

„Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist eine bedeutsame Auszeichnung des Bundespräsidenten zur Würdigung besonderer Verdienste um die Gesellschaft. Damit darf ich Ihnen heute für Ihr ganz besonderes Wirken danken, Ihnen meine Wertschätzung aussprechen und Ihnen gleichzeitig die Glückwünsche des Hessischen Ministerpräsidenten übermitteln“, so die Justizministerin bei der feierlichen Übergabe der Medaille im Foyer des Landgerichts Kassel, die betonte: „Wir verdanken Ihnen die Entdeckung eines großen musikalischen Schatzes von Komponistinnen der Vergangenheit und der Gegenwart, der lange Zeit unbeachtet war.“

1935 in Düsseldorf geboren absolvierte Frau Nies eine Gesangsausbildung in Düsseldorf, Philadelphia und Kassel und studierte evangelische Kirchenmusik in Düsseldorf, später noch Klavier an der Kasseler Musikakademie. Seit 1980 unterrichtete sie als Lehrbeauftragte an der Musikakademie Kassel sowie am Musikinstitut der Universität Kassel.

1981 stieß Christel Nies zufällig auf das damals noch junge Archiv des 1979 von der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg gegründeten Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik (IAFUM). Sie fand Noten von Komponistinnen, darunter Lieder von Fanny Hensel, Alma Mahler und Clara Schumann und stellte geradezu empört fest, dass diese und andere wunderbare Komponistinnen niemals Gegenstand ihrer musikalischen Ausbildung gewesen waren, die sich allein auf die männlichen Komponisten konzentriert hatte.

Stimme und Gehör verschafft

„Vermittelt, gepflegt und gefördert wurde über Jahrhunderte nur die Musik von Komponisten. Frauen kamen in der Musikgeschichte so gut wie nicht vor – nicht, weil es keine Komponistinnen gab, sondern weil ihre Werke nicht beachtet, vergessen, nicht oder nicht mehr aufgelegt oder nie gedruckt worden waren. Frau Nies hat sich rund 40 Jahre ihres Lebens beruflich und in ganz besonderem Maße ehrenamtlich für die musikalischen Schöpfungen von Frauen eingesetzt, ihre Präsenz und Chancengleichheit gefördert und hat ihnen so Stimme und Gehör verschafft“, lobte Eva Kühne-Hörmann den Einsatz von Frau Nies, und weiter: „Auf zahlreichen eigenen Konzerten, Liederabenden und Konzertreisen im In- und Ausland trug die Musikerin vorwiegend Kompositionen von Frauen vor. Zudem setzte sie sich jahrzehntelang ehrenamtlich für die Wahrnehmung von Frauen in der Musikgeschichte und in der zeitgenössischen Musik ein“.

Wirken, Werk und Leben vieler Komponistinnen präsentiert

Von 1987 bis 1993 organisierte Frau Nies drei große internationale Komponistinnen-Festivals „Vom Schweigen befreit“ und war von 1990 bis 2008 1. Vorsitzende des internationalen Forums „Vom Schweigen befreit e.V.“. 1989 holte sie das von ihr entdeckte Archiv Frau und Musik in die Murhardsche Bibliothek nach Kassel, baute es weiter aus und machte damit Kassel zur „Stadt der Frauenmusik“. 1990 gründete Frau Nies die Veranstaltungsreihe „Komponistinnen und ihr Werk“, die mittlerweile im 28. Jahr besteht. Schwerpunkte der Reihe sind die Musik zeitgenössischer Komponistinnen mit Portraitkonzerten zur umfassenden Darstellung der Werke und Personen und die Aufführung wiederentdeckte Werke der Vergangenheit von Komponistinnen, um bewusst zu machen, dass auch Frauen zu allen Zeiten komponiert haben. Seit der Gründung der Konzertreihe konnte Frau Nies für mehr als 150 Konzertveranstaltungen im In- und Ausland stets renommierte Ensembles und Künstlerinnen und Künstler gewinnen. In mittlerweile fünf Buchdokumentationen hat sie Wirken, Werk und Leben vieler Komponistinnen präsentiert und dokumentiert.

„Frau Nies hat sich in beispielloser Weise für die Frauen eingesetzt, die in der Musikgeschichte bisher nicht vorkamen, und sie hat den Komponistinnen der vergangenen und der zeitgenössischen Musik eine Bühne zur Aufführung ihrer Werke gegeben und damit einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zur Musik der Frauen ermöglicht, von der viele bisher nichts wussten. Es ist mir eine besondere Freude, das jahrzehntelange ehrenamtliche Wirken von Frau Nies heute mit einer sehr hohen Auszeichnung würdigen zu können“, so Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, und weiter: „Frau Nies hat einen unentbehrlichen Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen und zur Wahrnehmung eines besonderen Teils der Musikgeschichte geleistet und ist damit zu einer prägenden Persönlichkeit des Kasseler Kulturlebens geworden“.

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