Startseite Presse Pressemitteilungen Pressearchiv Justizminister Jörg-Uwe Hahn verabschiedet Ingeborg Growe-Zenz und führt Franz Josef Pfeifer als neuen Leiter der JVA Dieburg ins Amt ein
„Teure Ersatzfreiheitsstrafen - Hessen vermeidet Vollzugskosten durch innovative Programme“

Justizminister Jörg-Uwe Hahn verabschiedet Ingeborg Growe-Zenz und führt Franz Josef Pfeifer als neuen Leiter der JVA Dieburg ins Amt ein

In einer Feierstunde verabschiedete der Hessische Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertretende Ministerpräsident, Jörg-Uwe Hahn, heute die bisherige Leiterin der Justizvollzugsanstalt Dieburg, Ingeborg Growe-Zenz, in den Ruhestand. Gleichzeitig führte er den neuen Leiter der JVA, Franz Josef Pfeifer, offiziell ins Amt ein.

Der Justizminister würdigte die aus dem Amt scheidende Juristin Growe-Zenz als eine sehr erfahrene, umsichtige und freundliche Behördenleiterin mit großem Organisationstalent. „Sie haben die Justizvollzugsanstalt in Dieburg mit  großer fachlicher Kompetenz, der notwendigen Bestimmtheit, aber auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl geleitet“, so Hahn. „Die Leitung einer JVA ist keine einfache Aufgabe“, betonte Justizminister Jörg-Uwe Hahn: „Sie waren Ihren Mitarbeitern Vorbild. Wir werden Sie nicht vergessen. Das Land Hessen dankt Ihnen für Ihr Engagement.“

Mit Franz Josef Pfeifer erhält die JVA Dieburg zum 1. Januar 2014 einen neuen Leiter, der seit mehr als 30 Jahren im hessischen Vollzug tätig ist, u.a. als Vertreter des Anstaltsleiters der JVA Frankfurt am Main I, als Dienstleiter der Zweiganstalt Höchst, als kommissarischer Vertreter des Anstaltsleiters der JVA Wiesbaden und schließlich als stellvertretenden Anstaltsleiter der JVA Dieburg. „Durch seine jahrelange Leitungserfahrung und seine mehrjährige Tätigkeit in der JVA Dieburg ist Herr Pfeifer als Nachfolger von Frau Growe-Zenz bestens geeignet. Er besitzt die Ruhe, Erfahrung und das Fachwissen, die Justizvollzugsanstalt erfolgreich zu leiten. Ich wünsche ihm dafür eine glückliche Hand“, betonte der Minister.

In seiner Ansprache ging Justizminister Jörg-Uwe Hahn auch auf das Thema Ersatzfreiheitsstrafe ein, für deren Vollzug die JVA Dieburg unter anderem zuständig ist. „Die Ersatzfreiheitsstrafe wird immer dann vollstreckt, wenn Verurteilte trotz aller Bemühungen der Justiz nicht Willens oder nicht in der Lage waren, ihre Geldstrafe zu zahlen oder durch gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Fälle aus dem Bereich der kleineren Kriminalität wie des sogenannten ‚Schwarzfahrens‘ und einfacher Diebstähle“, so Justizminister Jörg-Uwe Hahn.

„So notwendig die Ersatzfreiheitsstrafe auch ist – ein letztes Druckmittel muss bleiben, um nicht die Wirksamkeit der Sanktion Geldstrafe in Frage zu stellen – so viele Probleme und unverhältnismäßig hohe Kosten ergeben sich bei ihrer Vollstreckung“, so Hahn weiter. Der Justizminister verwies darauf, dass sich die Hessische Landesregierung dieses Problems bereits frühzeitig angenommen habe. „Als erstes Bundesland haben wir Regelungen speziell für die Ersatzfreiheitsstrafe in das Hessische Strafvollzugsgesetz aufgenommen.“

Außerdem habe sich seit 2011 eine Expertengruppe, der auch Ingeborg Growe-Zenz angehörte, dem Problem angenommen und weitere Lösungsstrategien erarbeitet. Der Minister verwies zum Beispiel auf das Projekt „Auftrag ohne Antrag“, bei dem die Betroffenen bei Nichtzahlung einer Geldstrafe von einem Berater aufgesucht und über die Möglichkeiten der Haftabwendung informiert werden. Normalerweise ist für die Vereinbarung von Ratenzahlungen oder die Ableistung gemeinnütziger Arbeit anstelle der Haft ein Antrag des Betroffenen notwendig. „Oft sind verurteilten Personen aber auf Grund ihres Gesundheitszustandes mit der Alltagsbewältigung überfordert und deshalb nicht in der Lage, entsprechende Anträge zu stellen“, so Hahn. Das Projekt bei den Staatsanwaltschaften Wiesbaden, Kassel, Frankfurt und Darmstadt zeige deutliche Erfolge. „Die Erfahrungen zeigen, dass in bis zu 75 % der Fälle die Haftstrafe vermieden werden kann.“

Außerdem wies Hahn auf das Programm „Übergangsmanagement Ersatzfreiheitsstrafe“ hin, bei dem freie Träger Ersatzfreiheitsstrafler im Vollzug ansprechen und erneut über die Möglichkeiten der Bezahlung der Geldstrafe, einer Ratenzahlungsvereinbarung oder die Rückwandlung in gemeinnützige Arbeit informieren. „Die ersten Erfolge des Programms sind beachtlich – In 2013 konnten in den Vollzugsanstalten Darmstadt, Dieburg, Frankfurt am Main IV, Kassel I und Hünfeld 380 Ersatzfreiheitsstrafler betreut und insgesamt fast 14.000 Hafttage dadurch eingespart werden.“

Hintergrund

Zu den Personen

Ingeborg Growe-Zenz wurde 1948 in Trier geboren. Sie ist seit 1973 verheiratet. Von 1967 bis 1973 studierte sie Jura in Mainz und Heidelberg. Ihren juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte sie beim Landgerichtsbezirk Darmstadt. 1976 wurde sie zur Staatsanwältin (Richterin auf Probe) in Rheinland-Pfalz ernannt. Es folgten Abordnungen an verschiedene rheinland-pfälzische Justizvollzugsanstalten, 1977 wurde sie zur stellvertretenden Anstaltsleiterin der JVA Wittlich bestellt.

1980 folgte eine Versetzung an das Hessische Ministerium der Justiz, Abteilung Justizvollzug, 1983 die Bestellung zur stellvertretenden Anstaltsleiterin der JVA Darmstadt. 1984 wurde Ingeborg Growe-Zenz zur stellvertretenden Anstaltsleiterin der JVA Frankfurt am Main IV bestellt, 1985 folgte eine Abordnung an die JVA Frankfurt am Main II. Auf die Bestellung als stellvertretende Anstaltsleiterin der JVA Darmstadt (1986) folgte erneut eine Abordnung an das Hessische Ministerium der Justiz (1987). 1989 kehrte sie als Vollzugsabteilungsleiterin und stellvertretende Anstaltsleiterin in die JVA Darmstadt zurück.

Seit dem Jahr 2002 ist Ingeborg Growe-Zenz Leiterin der JVA Dieburg. Zum 31. Dezember erfolgt ihre Versetzung in den Ruhestand wegen Erreichens der Altersgrenze.

Franz Josef Pfeifer wurde 1959 in Bernbach geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

1980 begann seine Laufbahn im hessischen Justizvollzugsdienst als Inspektoranwärter. 1983 wurde er nach erfolgreich bestandener Laufbahnprüfung an die JVA Butzbach versetzt. 1989 folgte die Versetzung an die JVA Frankfurt am Main IV als Verwaltungsdienstleister. Von 1997 bis 2003 war er Vertreter des Anstaltsleiters der JVA Frankfurt am Main I. Im Jahr 1998 erfolgte zwischenzeitlich eine Abordnung an das das Hessische Ministerium der Justiz und für Europaangelegenheiten. 2003 folgte eine Abordnung an die JVA Frankfurt am Main III als Leiter des „Verwaltungs-Competence-Centers“.

2004 wurde Franz Josef Pfeifer zum kommissarischen Vertreter des Anstaltsleiters der JVA Wiesbaden bestellt. 2005 kehrte er als Vertreter des Anstaltsleiters in die JVA Frankfurt am Main I zurück. Dort wurde ihm auch die Vollzugsabteilungs- bzw. Dienstleitung der Zweiganstalt Höchst übertragen. Seit 2010 ist er stellvertretender Anstaltsleiter in der JVA Dieburg. Von 2008 bis 2010 war Franz Josef Pfeifer als Vorsitzender des Hauptpersonalrats Justizvollzug von seiner hauptamtlichen Tätigkeit freigestellt.

Die Nachfolge von Frau Growe-Zenz als Anstaltsleiterin tritt er zum 1. Januar 2014 an.

Die JVA Dieburg

Die JVA Dieburg ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafe an männlichen erwachsenen Verurteilten bis zu 24 Monaten (Strafhaft) und von Zivilhaft an männlichen erwachsenen Verurteilten aus allen Landgerichtsbezirken außer dem LG-Bezirk Kassel. Außerdem besteht eine Zuständigkeit für den Vollzug von Ersatzfreiheitsstrafen. Auch werden dort für vollzugsöffnende Maßnahmen geeignete Strafgefangene aus der Justizvollzugsanstalt Butzbach untergebracht. Schließlich ist in der JVA Dieburg die  Abteilung offener Vollzug für den Amtsgerichtsbezirk Dieburg angesiedelt.

Die JVA Dieburg verfügt über 269 Haftplätze im geschlossenen Vollzug. Zum Stichtag 20. November 2013 saßen 256 Personen ein.

Die JVA hat 105 Mitarbeiter, darunter einen Arzt, einen Psychologen, fünf Sozialarbeiter, drei Krankenschwestern und –pfleger und 75 Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes. Die Anstalt bietet 162 Arbeitsplätze für Gefangene.

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Pressesprecher: 
Dr. Hans Liedel
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