Kriminalpädagogisches Jugendprojekt „Teen-Court“

11.06.2014Hessisches Ministerium der Justiz

Das in Hessen 2005 bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden begonnene und Ende 2008 auf den Landgerichtsbezirk Limburg ausgedehnte kriminalpädagogische Jugendprojekt „Teen- Court“ wurde heute an der Heinrich Metzendorf Schule in Bensheim im Rahmen eines Rollenspiels anschaulich vorgestellt.

„Teen- Court“ besteht aus Schülerinnen und Schülern

Dabei werden in einem eher informellen Verfahren, durch ein aus drei Schülerinnen und Schülern bestehendes Gremium, die Straftat und deren Hintergründe mit dem geständigen jugendlichen Täter besprochen und eine erzieherische Maßnahme vereinbart. Das kann zum Beispiel die Entschuldigung beim Opfer oder das Ableisten gemeinnütziger Arbeit sein.

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann: „Gerade bei jugendlichen Tätern, die erstmals mit einer weniger schwerwiegenden Straftat in Erscheinung treten, bedarf es vielfach kein förmliches gerichtliches Verfahrens. Oft reicht hier schon ein deutliches und spürbares Signal, dass ein solches Verhalten nicht toleriert wird. Genau an dieser Stelle setzt der Teen-Court, das sogenannte ‚Schülergericht‘, an.“

„Erzieherische Maßnahme bedeutet nicht nur Bestrafung sondern auch Unterstützung und Hilfe in verschiedenen Lebensbereichen. Eine sinnvolle Maßnahme erfordert aber ein wirkliches Kennenlernen des Beschuldigten und dessen besonderen, für uns vielleicht zunächst unsichtbaren Konflikten“, sagte Rolf Nucklies, Projektleiter Teen-Court.

‚Schülerrichter‘ stellten Gerichtsverhandlung authentisch dar

„Wir freuen uns sehr, dass die Hessische Ministerin der Justiz, Eva Kühne-Hörmann, das Projekt Teen-Court an unser Schule vorstellt. Ich bin der Auffassung, dass durch die von den geschulten ‚Schülerrichtern‘ authentisch dargestellte Gerichtsverhandlung Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu einer Situation finden können, in der sie sich möglicherweise sehr schnell selbst befinden können“, sagte Wolfgang Freudenberger, Schulleiter der Heinrich Metzendorf Schule in Bensheim.

„Die in Hessen gemachten Erfahrungen mit dem Projekt sind sehr positiv. Es hat sich bestätigt, dass sich jugendliche Täter im Gespräch mit Gleichaltrigen eher vom Unrecht ihrer Tat überzeugen lassen, weil Gleichaltrige einen leichteren Zugang zueinander haben“, erklärte die Justizministerin. Hierdurch könne verhindert werden, dass jugendliche Täter weiter in die Kriminalität abgleiten. Somit sei das „Schülergericht“ ein überaus wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Jugendkriminalität.

„Auch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schülergremien ist dieses Projekt eine Bereicherung. Durch die Auseinandersetzung mit den jugendlichen Tätern können sie wertvolle Erfahrungen sammeln“, betonte Justizministerin Kühne-Hörmann. 

Straftaten von Kindern und Jugendlichen sind zurückgegangen

„Dass wir mit unseren Maßnahmen Erfolg haben, belegen die jüngsten Zahlen zum Rückgang der Jugendkriminalität. Auch in Hessen sind die Straftaten von Kindern und Jugendlichen zurückgegangen“, so die Ministerin. Der Rückgang betreffe nahezu alle jugendtypischen Delikte von der Sachbeschädigung über den Diebstahl bis hin zur Körperverletzung.

„Ich möchte mich bei den Schülerrichterinnen und Schülerrichtern und allen Beteiligten für ihre Bereitschaft, Verantwortung für das Gemeinwohl und die Einhaltung der Rechtsordnung zu übernehmen und sich ehrenamtlich zu engagieren, bedanken“, so Eva Kühne-Hörmann abschließend.

Im Anschluss an die Vorstellung gab es die Gelegenheit zur Diskussion mit Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, den Schülerinnen und Schülern der gastgebenden Schule und den Projektbeteiligten.

Zusatzinformationen zu „Teen- Court“

Dem Schülergremium steht ein bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden tätiger Projektleiter zur Seite, der für dieses Projekt speziell geschult ist. Diesem obliegt die Auswahl und Schulung der Mitglieder für das Projekt und er steht diesen ständig beratend zur Seite.

Die Zahlen für das Jahr 2013 stellen sich wie folgt dar (Stand: 26. Februar 2014)

Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

  • 55 gemeldete Fälle
  • 47 durchgeführte Fälle
  • bislang 43 abgeschlossene Fälle

Staatsanwaltschaft Limburg a.d.L.:

  • 33 gemeldete Fälle
  • 31 durchgeführte Fälle
  • bislang 28 abgeschlossene Fälle
Schließen