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Geschichtliches von 1815 bis heute

Vom Ministerialgebäude des Herzogtums zum Dienstgebäude des Justizministeriums

An der Stelle des heutigen Justizministeriums wurde erstmals 1843 ein Ministerialgebäude des Herzogtums Nassau errichtet. Seitdem wechselte das Gebäude mehrmals sowohl sein Erscheinungsbild als auch seinen Zweck. Das Hessische Justizministerium ist seit 1968 dort angesiedelt.

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Historischer Saal des Justizministeriums
Historischer Saal des Justizministeriums
© Oliver Hebel

Regierungsgebäude des Herzogtums Nassau

Im Jahre 1815 wurde Wiesbaden offiziell Regierungshauptstadt des im Jahre 1806 in Folge der napoleonischen Kriege entstandenen Herzogtums Nassau. Seit dieser Zeit kam es zu einer zentralen Konzentration aller oberen Verwaltungsbehörden in der Stadt.

Der Entschluss für den ersten Verwaltungsneubau des Herzogtums Nassau, dem neuen Regierungsgebäude, fiel im Jahre 1834. Es erging an alle Landesbaumeister die Aufforderung, Entwürfe und Kostenvoranschläge einzusenden. Der Wettbewerbsentwurf des Architekten Carl Boos bekam den Zuschlag. In der Bauzeit von 1838 bis 1843 wurde das Ministerialgebäude in der Regierungszeit von Herzog Wilhelm und Herzog Adolph von Nassau erstellt.

Brand und Wiederaufbau

Bereits 1854 brannte das Gebäude mit dem Thronsaal und landständischen Sitzungssaal bis auf die Außenmauern nieder. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Aufbau begonnen und der Architekt Philipp Hoffmann unter anderem mit der Renovierung und Neudekoration der beiden Ständesäle betraut.

Über Art und Umfang der Arbeiten Hoffmanns wusste man lange nur sehr wenig. Erst 1980 fanden sich in Hoffmanns Nachlass im Besitz der Erben farbige Entwurfszeichnungen mit der Aufschrift "Ministerialgebäude". Ein Aquarell konnte mit dem heutigen Großen Sitzungssaal in Verbindung gebracht werden. 1987 erteilte das Staatsbauamt einen Auftrag für restauratorische Voruntersuchungen für die Instandsetzung des als Bibliothek genutzten Raumes. Dabei wurde festgestellt, dass die originalen Malereien von 1855 zum Teil unter den neueren Anstrichen völlig unbeschädigt erhalten waren.

Durch die in den folgenden Jahren durchgeführte Restaurierung ist die Wiedergewinnung des originalen Raumkonzeptes eines Thronsaales aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur architektur- und kunstgeschichtlich, sondern auch politik- und gesellschaftsgeschichtlich von großer Bedeutung.

Vom Ministerialgebäude zum Dienstgebäude 1925 – heute

In den Jahren 1925 und 1926 erfolgten umfangreiche Erweiterungen und Ergänzungen des Gebäudes. Bis dahin bestand es im Wesentlichen nur aus der Gebäudefront an der Luisenstraße und einer schmale Front in der Bahnhofsstraße. In Richtung Friedrichstraße/Markt schloss sich ein offener Garten, der sogenannte Herrengarten, an. Nun erfolgte der Anbau eines Verwaltungsgebäudes, das die Front an der Bahnhofstraße verlängerte und mit dem weiteren Anbau zweier paralleler Flügel zu den Fronten Luisenstraße/Bahnhofstraße ein geschlossenes Rechteck entstehen ließ. Die Reste des ehemaligen Herrengarten wurde zum Innenhof.

Den ersten Einschnitt in die Geschichte des Gebäudes stellt der Wechsel von der herzoglich-nassauischen Regierung zur preußischen Verwaltung durch die Regierungspräsidenten im Jahr 1866 dar. Damit war der Verlust der staatlichen Eigenständigkeit Nassaus und die Eingliederung in den preußischen Staat verbunden.

Den zweiten großen Einschnitt leiteten die politischen Umwälzungen des Jahres 1918 ein. Französische Truppen zogen als Besatzungsmacht in Wiesbaden ein. Erst 1925 wurden die französischen Truppen abgezogen und Wiesbaden Sitz der britischen Rheinarmee bis 1930. Der Zweite Weltkrieg hat am Regierungsgebäude keine Schäden hinterlassen. Im März 1945 übernahmen die Amerikaner das Regierungsgebäude.

Nach der Gründung des Landes Hessen im Jahr 1946 und dem Auszug der Amerikaner im Jahr 1954 übernahm das Hessische Innenministerium das Gebäude bis zum Umzug in den Neubau an der Friedrich-Ebert-Allee in 1968.

Seit dieser Zeit ist das Regierungsgebäude Sitz des Hessischen Ministeriums der Justiz.

Portraitfoto von Dr. Robert Fritz
  • Portraitfoto von Dr. Robert Fritz
Frühere Justizminister